Deutschland braucht mehr Hausärzte

20.Juli 2008

Die demoskopische Entwicklung in Deutschland zeigt, wie in anderen Industrieländern auch, deutlich in eine Richtung: der Anteil der älteren Bürger wird bei einer insgesamt schrumpfenden Bevölkerung immer größer, da die geringe Geburtenrate und die stetig steigende Lebenserwartung die so genannte Bevölkerungspyramide langsam aber sicher von der Basis auf die Spitze stellen.Könnte man ohne nähere Überprüfung jetzt annehmen, das eine sinkende Bevölkerungszahl auch einen geringeren Bedarf an Ärzten zur Folge hat, übersieht man dabei ein wichtiges Detail. Eine aktuelle Studie hat sich damit beschäftigt, wie viel Ärzte wir in Zukunft brauchen werden um die Versorgung aller Bürger sicher zu stellen. Sie kommt zu dem erst einmal überraschenden Ergebnis, das wir nicht weniger, sondern mehr Hausärzte brauchen werden, soll die medizinische Versorgung ihr hohes Niveau flächendeckend halten.

Eine Messzahl zur Bedarfsermittlung ist dabei die Zahl der Arztkontakte. Auf Grundlage der vorhandenen Daten werden diese in den nächsten zwölf Jahren um über acht Prozent zunehmen. Für Mecklenburg bedeutet dies zum Beispiel, das rein rechnerisch fast sechshundert zusätzliche Hausärzte benötigt werden. Wie es kommt, das weniger Menschen mehr Ärzte benötigen, liegt einmal daran, das ältere Menschen wesentlich häufiger ihren Arzt aufsuchen. Da der Anteil der älteren Bevölkerung steigt und diese ihre Verhalten nicht ändert, ergibt sich daraus der erwähnten Mehrbedarf. Weiter stehen viele Hausärzte kurz vor dem Ruhestand. Die dadurch entstehende Vakanz muss ebenfalls in die Rechnung mit einfließen. Ähnliches gilt auch für den Krankenhausbereich, wo ebenfalls ein rechnerischer Mehrbedarf an medizinischem Personal erkennbar ist. Hier ist die Zahl der Behandlungstage die entscheidende Messzahl. Auch diese wird durch einen höheren Anteil älterer Patienten steigen, allerdings nicht in allen Medizinbereichen gleichmäßig. Der Schwerpunkt wird laut Erkenntnissen der Studie bei der inneren Medizin, der Chirurgie und der Neurologie liegen. Auch dies überrascht nicht, da diese Medizinfelder sich mit den typischen Leiden älterer Menschen befassen.

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